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    Isar bei Wolfratshausen / Foto: Florian Werner / www.look-foto.de

Karriere auf Umwegen

Von Julia Hilgenberg/Nick Culas, 17. August 2016 - Als Personalberater unterhalten wir uns oft mit Menschen, die vom Hotelgewerbe in eine andere Branche wechseln möchten und dabei mit uns ins Gespräch kommen. Häufig leisten wir dann erst einmal Aufklärungsarbeit, denn das Bild, welches einige Interessenten von Wirtschaftskanzleien haben, ist alles andere als real: Schwere Ledersessel, Zigarrenecke, tonnenweise Literatur in endlosen Wandregalen und eine „Vorzimmerdame“, die niemanden zum Chef durchlässt. Es sind meist erhabene Eindrücke aus Kinofilmen („Die Firma“ mit Tom Cruise), die Unwissende mit Anwaltssozietäten verbinden.

Doch die Wahrheit sieht anders aus. Wirtschaftskanzleien sind in erster Linie hochmoderne Dienstleistungsunternehmen, die Firmen (die Kunden heißen hier „Mandanten“) in vielfältigen und sehr komplexen rechtlichen Fragen beraten. Und da es nicht nur „ein Recht“ gibt, sind Wirtschaftskanzleien meist rund um den Globus vertreten und beschäftigen nicht selten einige tausend Mitarbeiter. Kanzleien sind keine Handwerksbetriebe. Hier wird nicht „produziert“ oder verkauft. Anwälte arbeiten viel mit dem Kopf, vor allem im Team und sehr häufig länderübergreifend.

Die tägliche Herausforderung der Anwälte besteht darin, sich sofort in die Situation eines Unternehmens versetzen zu müssen, wenn ein Auftrag („Mandat“) erteilt wird. Das erfordert weit mehr als nur rechtliche Kenntnisse. Ein Anwalt benötigt ein sehr gutes gesamtwirtschaftliches Verständnis, um die Ziele seines Auftraggebers verstehen zu können. Nur dann kann er eine gute Lösung für ein (rechtliches) Problem ausarbeiten und präsentieren. Daher schulen viele Anwaltskanzleien ihre Anwälte beispielsweise in Betriebswirtschaft, interkultureller Kompetenz, Präsentations- und Redetechnik sowie Verhandlungsführung.

Aber: Anwälte können ihren Job nur dann gut machen, wenn ihr hauseigener Support stimmt. Und hier kommt den zahlreichen Mitarbeitern hinter den Anwälten eine wichtige Rolle zuteil. Durchschnittlich arbeiten hinter zehn Anwälten auch etwa die gleiche Anzahl Mitarbeiter mit anderer Qualifikation. In Kanzleien spricht man hier häufig von Business Services-Bereichen. Hier finden Sie beispielsweise Empfangsmitarbeiter, das Assistenz-Team (die eigene „Chefsekretärin“ gibt es übrigens nur noch sehr selten), Übersetzer, Mitarbeiter für das Finanzmanagement, Human Resources, Marketing & PR, Geschäftsplanung, die Büroorganisation und Veranstaltungsmanagement. Einige Kanzleien beschäftigen sogar Köche in einer eigenen Firmenküche. Häufig finden sich in diesen Bereichen Mitarbeiter, die ihre berufliche Laufbahn im Hotel- und Gaststättengewerbe begonnen haben. Bei der Firmenküche leuchtet das sofort ein, aber auch in den anderen Bereichen trifft man auf zahlreiche ehemalige Hotelmitarbeiter. Fragt man die Personalchefs in Kanzleien nach den Gründen für die Einstellung dieser Mitarbeiter, erhält man häufig verwandte Antworten:

  • „ ... sehr hohe Serviceorientierung“,
  • „ ... umsichtiger Blick – auch für Details“,
  • „ ... war einige Zeit im Ausland tätig und hat sich dort durchgeboxt“,
  • „ ... bewahrt in turbulenten Situationen den kühlen Kopf“,
  • „ ... macht die Arbeit, wenn sie anfällt und lässt den Stift nicht fallen“
  • ....

Die Liste ist beliebig erweiterbar. Gerade die Serviceorientierung, die Sprachkenntnisse und das „Sich-einfach-trauen“, wenn eine Entscheidung auch ohne Absicherung getroffen werden muss, liegt wohl in der DNA der Hotelmitarbeiter.

Die Beweggründe, warum Hotelmitarbeiter in die Beratungswelt wechseln sind vielfältig. Ein häufiger Motivationstreiber ist der Wunsch nach einer einigermaßen planbaren Arbeitswoche, selbst wenn es natürlich auch im Kanzleiumfeld „Stoßzeiten“ gibt. Dafür hat Wochenendarbeit eher Seltenheitswert.

Ebenso ist das erforderliche monatliche Netto-Mindesteinkommen garantiert und nicht – wie im Hotel vielerorts - abhängig von der Aufteilung der Trinkgeldkasse oder den Feiertags- und Nachtzuschlägen. Häufig verbessert sich das Gehalt beim Stellenwechsel oder spätestens mit etwas Firmenzugehörigkeit. EDV- und Sprachtrainings gehören zur Standard-Weiterbildung vieler Kanzleimitarbeiter. Zudem sprechen gut gemanagte Wirtschaftskanzleien regelmäßig mit ihren Mitarbeitern über deren Weiterentwicklungsmöglichkeiten, um die guten Mitarbeiter zu binden, zu entwickeln und somit deren Potential voll auszuschöpfen.

Fazit: Wir sind der Meinung, dass gerade die Hotelbranche das perfekte Sprungbrett für den Quereinstieg in eine international agierende Wirtschaftskanzlei bieten kann. Wenn Sie also mutig genug sind, sich neuen Herausforderungen zu stellen und sich nicht davor scheuen, einen „Quereinstieg“ als Chance zu sehen, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme